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Artikel zum Thema Goldanlage

„Abzocke“ mit Goldanlagen

27. Mai 2011

Direktanlagen in physisches Gold unterliegen keiner Regulierung durch die Finanzaufsicht. Dies erleichtert das Spiel für Betrüger und Abzocker.

Der unregulierte Markt der Goldanlage

Der in den vergangenen Jahren stark anziehende Goldpreis sowie die Angst der Verbraucher vor weiteren Finanzkrisen oder Inflation haben dazu geführt, dass Gold von Anlegern stärker nachgefragt wird. In der Folge sind immer neue Anbieter in den Markt für physische Goldanlagen eingetreten.

Im Unterschied zu anderen Finanzanlagen unterliegt physisches Gold praktisch keiner Regulierung durch die Aufsichtsbehörden. Physische Edelmetalle stellen keine Finanzinstrumente dar und fallen damit auch nicht unter eine Regulierung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.

Aufgrund der mangelnden Regulierung gibt es keine Beschränkungen oder gesetzlichen Anforderungen an Anbieter im Bereich der physischen Goldanlage. Während der Vertrieb von Finanzinstrumenten wie Investmentfonds, Aktien oder auch Versicherungen inzwischen stark reguliert ist, können physische Goldanlageprodukte von quasi jedermann an Anleger verkauft werden. Es gibt keine Mindeststandards für die Beratung oder ähnliche Vorschriften.

Aber nicht nur der Vertrieb von Gold ist unreguliert. Im Gegensatz zu der Verwahrung von Spareinlagen, die eine Banklizenz erfordert, und der Verwahrung von Aktien oder Investmentanteilen in Fonds, die durch Depotbanken erfolgen muss, unterliegt die Verwahrung von Gold in Tresoren oder Lagerstellen keiner Regulierung.

Teilweise drastisch überhöhte Preise

2010 wurden in den USA von verschiedenen Seiten Ermittlungen gegen einen der führenden Anbieter von Goldmünzen, die Firma Goldline International, durchgeführt. Die Untersuchung durch den US-Kongressabgeordneten Anthony Weiner kam zu dem Ergebnis, dass der durchschnittliche Preisaufschlag bei Sammlermünzen 90% über dem Materialwert des Goldes lag und 47% höher als bei Wettbewerbern war.

Der angesehene US-amerikanische Blogger Barry Ritholz beschreibt unter http://www.ritholtz.com/blog/2010/07/glenn-beck-goldline/ das Vorgehen von Goldline International und des die Firma unterstützenden Rechtspopulisten Glenn Beck:

Goldline sponsere die Glenn Beck Radioshow und unterstütze sie mit Werbung. Glenn Beck mache in seiner Sendung den Zuhörern Angst vor einer Hyperinflation und argumentiere, dass nur antike Münzen sicher wären. Dies begründe er damit, dass in den USA 1933 Anlagegold beschlagnahmt wurde. Dann werbe er für Goldline und rufe dazu auf, den Leuten dort zu vertrauen.

Kunden, die mit Mitarbeitern von Goldline sprechen, werde dann im Gespräch zu Sammlermünzen geraten. Da Sammlermünzen zusätzlich zum Goldwert einen Sammlerwert haben könnten, sind deren Preise für Anleger schwer einzuschätzen. Viele der verkauften Sammlermünzen haben jedoch keinen oder einen nur sehr geringen tatsächlichen Sammlerwert. Der angebliche Sammlerwert wird offenbar dazu genutzt, das Gold zu überhöhten Preisen zu verkaufen.

Im Falle einer wirklichen Krise ist außerdem anzunehmen, dass auch ein vorher tatsächlich vorhandener Sammlerwert stark sinken würde.

Diese Masche ist nicht nur in den USA üblich. Auch in Deutschland gibt es schwarze Schafe. Das in Deutschland tätige schweizerische Unternehmen KB Gold hat einen zweifelhaften Ruf. So wurde es zum Beispiel 2010 in einem Bericht mit dem Titel Die Goldgauner der Sendung Frontal21 im ZDF kritisiert.

Anders als Goldline verkauft KB Gold keine überteuerten Sammlermünzen, sondern insbesondere sehr kleine Goldbarren von 0,5g bis 2g. Laut Video der KB Gold sind Goldbarren “seit 2600 Jahren Weltwährung und Zahlungsmittel in allen Ländern dieser Erde”. Aufgrund der geringen Barrengröße verlangt KB Gold hohe Aufschläge gegenüber dem reinen Materialwert der Barren.

KB Gold rechtfertigt den Kauf von kleinen und damit teuren Goldbarren damit, dass beim Umschmelzen von großen in kleine Barren Gold verloren gehe. “Deshalb machen nur kleinste Einheiten von Anfang an Sinn” behauptet KB Gold in einem Firmenvideo. Empfohlen werden den Kunden außerdem nur kleinste Einheiten, da sie mit diesen die höchste Handlungsfreiheit besäßen. KB Gold rühmt sich damit, dass die Goldbarren lizenziert seien und es sich um “Währungsgoldbarren” handle. Die Barren der KB Gold werden aber beispielsweise von Banken grundsätzlich nicht anerkannt. Dem Käufer eines KB Goldbarrens bleibt im Zweifel nur der Rückverkauf an KB Gold – allerdings zu deutlichen Preisabschlägen – oder der Verkauf als Altgold und damit wiederum zu deutlich geringeren Preisen. Die Behauptung, dass es sich um weltweit akzeptierte Währungsgoldbarren handeln würde, ist ein Marketing-Gag.

Multi Level Marketing Firmen

Die hohen Aufpreise, die unseriöse Anbieter von Gold-Anlage-Produkten verlangen, sind attraktiv für sogenannte MLM-Vertriebe. MLM steht für Multi Level Marketing, auch “Netzwerk-Marketing” genannt und damit im besten Fall für Strukturvertriebe und im schlechtesten Fall für sogenannte Schneeballsysteme.

MLM- oder Strukturvertriebe basieren auf dem Konzept, dass von den Gründern Teilnehmer gewonnen werden, die ein Produkt an Kunden, unter anderem im eigenen Bekanntenkreis, verkaufen. Wer oben in der Pyramide steht, also früher als nachfolgende Mitarbeiter eingestiegen ist, bekommt einen Anteil von den Umsätzen der später angeworbenen Mitarbeiter sowie der durch diese Mitarbeiter weiter angeworbenen Teilnehmer – daher der Begriff Pyramide.

In einigen Fällen müssen angeworbene Mitarbeiter erst einmal einen Mitglieds- oder Kautionsbetrag zahlen. Bei betrügerischen Anbietern geht es oft nur um diesen Beitrag. Die frühen Mitglieder am Kopf der Pyramide verdienen am Beitrag der späteren Mitglieder. Die später angeworbenen Mitglieder versuchen verzweifelt, noch neue “Dumme” zu finden. Irgendwann gelingt das dann nicht mehr und das Schneeballsystem bricht in sich zusammen.

Auch wenn es nicht in jedem Fall so schlimm enden muss: Strukturvertriebe arbeiten regelmäßig damit, Kunden im persönlichen Kontakt zum Kauf von häufig überteuerten Produkten zu bewegen. Im Kontext von Finanzdienstleistungen wird dabei oft mit der Angst der Kunden gearbeitet.

Über die letzten Jahre wurde der Vertrieb von Finanzdienstleistungen immer stärker reguliert und damit unattraktiver für schwarze Schafe. Wie oben dargestellt, gilt das noch nicht für Gold. Dies scheint vermehrt wenig vertrauenswürdige Gestalten anzuziehen. Und die rhetorisch gewandten Verkäufer verstehen es gut, die verbreiteten Sorgen vor Inflation und Staatsbankrott auszunutzen.

Ein Beispiel ist der selbsternannte “Gold-Coach” Dennis Nowak von der Firma My Inc. Er spricht in einem Firmenvideo offen davon, dass “Gold das genialste Multi Level Marketing Produkt aller Zeiten” sei. Er begründet dies mit Aussagen wie: “Die Auflagen [im Finanzdienstleistungsbereich], die heute erfüllt werden müssen, sind hammerhart” oder “mit Versicherungsprodukten haben Sie keine Chance mehr” und “Sie brauchen für dieses Geschäft [mit dem Gold] keine Zulassung, es gibt keine Beraterhaftung”.

Kunden von MLM-Vertrieben zahlen meist überhöhte Preise. In einigen Fällen werden sie auch Schneeballsystemen aufsitzen oder es wird sich später herausstellen, dass bei angeblich sicher verwahrten Goldbeständen in Wirklichkeit überhaupt kein Gold vorhanden ist.

Unseriöse Online-Shops: Gold kommt niemals an

Eine weitere Quelle für Betrug an Käufern von Gold-Anlage-Produkten sind betrügerische Online-Shops, die vorgeben, Goldmünzen und Goldbarren zu verkaufen. Neben vielen seriösen Anbietern, die im Internet tätig sind, gibt es auch hier schwarze Schafe.

Diese sitzen meist im Ausland und lassen auch ihre Webseite auf Servern im Ausland betreiben. Für den Goldkäufer ist dies nicht ohne Weiteres ersichtlich, denn die betrügerischen Online-Shops sind gut getarnt, mit allerlei Zertifikaten und guten Bewertungen geschmückt. Kunden bezahlen per Vorkasse und bekommen im schlimmsten Fall kein Gold geschickt und auch ihr Geld nicht zurückerstattet.

Problematische Anbieter von Goldwährungen

Anbieter von digitalen Goldwährungen bieten ihren Kunden eine Form von elektronischem Geld basierend auf Gold an. Eine Einheit der jeweiligen Goldwährung steht für eine bestimmte Menge an Gold. Kunden können Beträge in der digitalen Goldwährung an andere Kunden versenden, also faktisch damit bezahlen. Ein Umtausch in normale Währungen ist möglich und oft auch die Auslieferung des Goldes.

Anbieter von digitalen Goldwährungen unterliegen meist nur einer geringen Regulierung. Dies hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass verschiedene Anbieter zusammenbrachen, unter anderem weil sie Kundengelder veruntreuten. Ein Beispiel ist laut Wikipedia INTGold. Wikipedia bietet weitere Informationen zu digitalen Goldwährungen.

Auch bei regulierten Goldfonds gibt es überteuerte Angebote

Investmentfonds, die Anlegermittel in physisches Gold anlegen, sowie mit Gold unterlegte Wertpapiere unterliegen der gesetzlichen Regulierung.

Aber auch bei diesen Produkten gibt es große Preisunterschiede: Während Produkte wie Xetra-Gold oder Gold-Zertifikate für geringe Aufschläge von meist unter einem Prozent erhältlich sind, werden klassische Investmentfonds wie HansaGold mit Ausgabeaufschlägen von vier oder mehr Prozent verkauft. Da es sich bei den Produkten um ein passives Investment in nur eine Anlageklasse und Produkt handelt, sind solche Aufschläge gegenüber Kunden schwer zu rechtfertigen. Der Grund für die Preisgestaltung liegt offenbar darin, Finanzvertretern eine attraktive Provision sichern zu können.

Fazit: Leichtes Spiel für Betrüger und Abzocker

Die fehlende Regulierung von physischen Goldanlageprodukten bereitet derzeit Betrügern und Abzockern ein leichtes Spiel. Gesetzliche Änderungen sind bis heute nicht in Sicht. Für den Anleger, der sich für eine Goldanlage interessiert, bleibt es wichtig, die verschiedenen Anbieter und Angebote sorgfältig zu studieren und zu vergleichen.

 


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